Mandelring-Quartett-7596sw

Programme

Programme

Programm I

Fern der Heimat

Joseph Haydn – Streichquartett D-Dur op. 71/2
Berthold Goldschmidt – Streichquartett Nr. 2 (1936)
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Antonín Dvořák – Streichquartett F-Dur op. 96 „Amerikanisches“

Der Tod des Fürsten Nikolaus von Esterházy und Sparmaßnahmen seines musikalisch wenig interessierten Nachfolgers bescherten Joseph Haydn 1790 neue Flexibilität. Der Komponist nutzte die Gelegenheit, um 1793 zwei überaus erfolgreiche England-Reisen zu unternehmen. In diesem Umfeld schrieb Haydn sein Streichquartett D-Dur op. 71 Nr. 2. Die Musik des 1903 in Hamburg geborenen Bertold Goldschmidt fristete lange Zeit ein Schattendasein. Als seine Werke im Dritten Reich als „entartet“ verboten wurden, endete seine vielversprechende Karriere jäh. Der Komponist floh 1935 vor den Nazis nach England, wo ein Jahr später sein zweites Streichquartett entstand. In der ergreifenden Chaconne enthält das Werk nach Aussage des Komponisten einen „deutlichen Hinweis auf den Wahnsinn der damaligen Zeit“, und das Finale ist geprägt vom Berlin der wilden 20er Jahre. Von überaus heiterem Charakter ist Antonín Dvořáks so genanntes „Amerikanisches“ Quartett, das der damalige Leiter des New Yorker National Conservatory im Sommer 1893 in Spillville, einem Dorf tschechischer Einwanderer, innerhalb von nur drei Tagen zu Papier brachte.

Programm II

Anmut und Erschütterung

Ludwig van Beethoven – Streichquartett D-Dur op 18/3
Dmitri Schostakowitsch – Streichquartett Nr. 8 „In Erinnerung an die Opfer des Faschismus und des Krieges“
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Johannes Brahms – Streichquartett Nr. 1 c-Moll op. 51/1

Das erste Streichquartett Beethovens, das seiner Selbstkritik standhielt, ist das Werk op. 18/3, entstanden im Winter 1798/1799. Es beginnt mit sehnsüchtigem Septanstieg, gefolgt von einem anmutig-lyrischen Thema. Auch in den folgenden Sätzen ist das Werk immer wieder von tänzerischer Anmut geprägt. Schostakowitschs achtes Streichquartett trägt die Widmung „In Erinnerung an die Opfer des Faschismus und des Krieges“, ist jedoch, wie er in einem Brief an einen Komponistenkollegen enthüllt, mehr noch als ein Requiem für ihn selbst gedacht: „Ich dachte daran, dass nach meinem Tod wohl niemand ein Werk zu meinem Gedächtnis komponieren wird. Daher beschloss ich, ein solches Werk selbst zu komponieren.“ Schostakowitsch zitiert zahlreiche eigene Kompositionen. Besonders aussagekräftig ist die Verwendung des Revolutionsliedes Im Kerker zu Tode gemartert, dessen Melodie sich in das Motiv der Arie Serjoscha, mein Liebster aus der Oper Lady Macbeth wandelt. Hier liegt es nahe, einen Bezug zu den dramatischen Folgen der öffentlichen Verdammung dieser Oper zu sehen, mit der Schostakowitsch konfrontiert war. Unter den damals herrschenden Umständen hätte dies durchaus zu Verhaftung und Tod führen können.Brahms op. 51/1 ist ebenso wie das Werk Beethovens ein Erstling, entstanden nach 20-jähriger Beschäftigung mit dem Genre und Komposition und Vernichtung vieler Vorläuferwerke, die seinen strengen Maßstäben nicht standhielten. Das Werk enthält mit seiner „Romanze“ einen anmutigen langsamen Satz gefolgt von einem sehnsüchtig-graziösen Allegretto, während die Ecksätze von erschütternder Dramatik sind, sich steigernd oder plötzlich über den Hörer hineinbrechend wie zu Beginn des Finales.

Programm I

Genie und Wahnsinn

W.A. Mozart – Streichquartett B-Dur KV 458 „Jagdquartett“
Viktor Ullmann – Streichquartett Nr. 3 (1942)
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Robert Schumann – Streichquartett a-Moll op. 41/1

Ein Programm voller Gegensätze: Auf Mozarts ländlich-spielerisches „Jagdquartett“ mit dem wunderbaren Duett von erster Violine und Violoncello im langsamen Satz trifft das einzige erhaltene Streichquartett von Viktor Ullmann, entstanden 1943 im Konzentrationslager Theresienstadt ‑ (andert­halb Jahre später wurde der Komponist in Auschwitz ermordet). Expressiv und klangsinnlich, spiegelt das Quartett den „Kulturwillen, der dem Lebenswillen adäquat ist“ (Ullmann) wider, aber auch Verzweiflung und Todesahnung ‑ insbesondere im fahlen Largo. In Schumanns erstem Streichquartett schließlich fließen träumerisch-gesangliche Linien, die an den Lied­komponisten denken lassen, prägnant-kraftvolle Gedanken und hochvirtuose Klangkaskaden zu einem höchst eigenwilligen Werk zusammen.

Programm II

Musikhauptstadt Wien

Joseph Haydn – Streichquartett F-Dur op. 50/5 „Ein Traum“
Franz Schubert – Streichquartett a-Moll D 804 „Rosamunde“
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Ludwig van Beethoven – Streichquartett e-Moll op. 59/2

Wie keine andere Stadt atmet Wien Musikgeschichte ‑ und in den Quartetten von Haydn, Beethoven und Schubert wird sie lebendig, hat doch der glanzvolle kaiserliche Hof ebenso seine Spuren hinterlassen wie die Volksmusik. Haydns Opus 50/5 ist ein heiteres Stück voller kleiner Überraschungen mit einem lyrischen Adagio, dem es den Beinamen „Ein Traum“ verdankt. Ungewöhnlich gesanglich und volkstümlich erscheint Schuberts „Rosamunde“-Quartett ‑ nicht zufällig das einzige seiner Quartette, das schon die Zeitgenossen schätzten. Kaum zu glauben hingegen aus heutiger Sicht, dass man seinerzeit ratlos den Kopf schüttelte über die „bizarren Töne“ im zweiten Rasumowsky-Quartett von Beethoven, gilt es doch längst als Inbegriff des klassischen Streichquartetts in vollendeter Kunstfertigkeit und Expressivität.

Programm III

Mandelring plus

György Kurtág – Six Moments musicaux op. 44 für Streichquartett
Johannes Brahms – Streichquintett F-Dur op. 88 mit zwei Bratschen
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György Kurtág – „Arioso“ für Streichquartett
Antonín Dvorák – Streichquintett Es-Dur op. 97 mit zwei Bratschen

Überbordende Klangpracht und eine reiche Farbpalette bietet dieses Programm. In aphoristischer Kürze fächert György Kurtág einen klingenden Kosmos auf; Bach hat in seinen funkelnden Miniaturen ebenso seine Spuren hinterlassen wie die Vögel aus den Parks von Paris. Eine liebliche, sonnige musikalische Landschaft, die vielleicht vom Ort ihrer Entstehung, Bad Ischl, inspiriert ist, malt Johannes Brahms in seinem ersten Streichquintett. Im „Breitwandformat“ tritt Antonín Dvořáks sogenanntes „Amerikanisches Streichquintett“ auf. Entstanden im Sommer 1893 in der tschechischen Siedlung Spillville in Iowa, ist es geprägt von dem, was Dvořák unter amerikanischer Volksmusik verstand; Pentatonik, punktierte Rhythmen und „exotische“ Wendungen treffen auf böhmische Musizierfreude.

Programm mit Marimba

Sones de América

Astor Piazzolla (1921-92)/ Eric Sammut – „Libertango“ für Marimba solo
Lucas Guinot (*1972) – „Luz“ für Marimba und Streichquartett
Igmar Alderete Acosta (*1969) – „Sones de América“ für Marimba und Streichquartett
Antonín Dvorák – Streichquartett F-Dur op. 96 „Amerikanisches Quartett“

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Daniel Schnyder (*1961) – „Zoom in“ für Marimba und Streichquartett
Drei Tangos für Streichquartett, arrangiert von Werner Thomas-Mifune:
— 1. „La vi llegar“, Enrique Francini
— 2. „El 58“, Hector Varela
— 3. „Cafetin de Buenos Aires, Mariano Mores
Leonard Bernstein (1918-90) / Martin Gerigk – „West Side Story“ (Suite) für Marimba und Streichquartett

mit Katarzyna Mycka, Marimba